Gewaltfreiheit & Reproduktion

Zu wichtigen gesellschaftlichen Themen rund um die Gesundheit von Personen mit Behinderungen gehören unter anderem Gewaltfreiheit, Sexualität, Fortpflanzung oder auch Elternschaft. Anbei werden wichtige Infos zu diesen Themen und politische Lage in der Schweiz aufgegriffen. 

Stopp Gewalt, Bild einer Hand einer weiblich gelesenen Person, die ein Stopp symbolisiert

Istanbul Konvention: Gleichstellung auch bei der Bekämpfung von Gewalt

Am 2. Dezember 2016 hat der Bundesrat seine Botschaft zur Ratifikation der sogenannten Istanbul-Konvention verabschiedet. 
Der Bundesrat erachtet das bestehende Angebot offenbar als ausreichend. Damit sind wir nicht einverstanden. 

Im Rahmen des Alternativberichts der Zivilgesellschaft erstellt vom Netzwerk IK fordert avanti donne den Zugang zu Recht, Präventionsmassnahmen, Unterstützung und Opferschutzeinrichtungen. Dies muss ungeachtet einer allfälligen körperlichen, psychischen oder kognitiven Beeinträchtigung vollumfänglich gewährleistet sein.

Link: istanbulkonvention.ch
Link: Alternativbericht
Link: Flyer Istanbulkonvention

Gewaltprävention

16 Tage gegen Gewalt an Frauen ist eine Kampagnenreihe, welche jährlich in der Schweiz stattfindet.

Link: 16tage.ch

Ein Sozialtherapeut soll während fast 30 Jahren mehr als 120 Menschen mit Behinderung in Bern missbraucht haben. Aus diesem Geschehnis hat sich die Arbeitsgruppe und Charta zur Prävention von sexueller Gewalt gebildet.

Link: charta-praevention.ch

Die deutsche staatliche Koordinationsstelle hat 2012 nach Art. 33 der UN-Behindertenrechtskonvention ein Positionspapier erstellt. Frauen und Mädchen sollen so besser vor Gewalt geschützt werden.

Link: Positionspapier Deutschland

Selbstbestimmte Sexualität

Menschen mit einer Behinderung leben ihre Sexualität individuell so verschieden wie alle andern auch. Besondere Fragen zum Umgang mit Sexualität stellen sich, wenn eine Behinderung die Selbstbestimmung einschränkt und die/der Betroffene von Drittpersonen abhängig ist. Hier gibt es Berichte, die zeigen wie Frauen mit Behinderungen mit Sexualität umgehen.

Link: Blogbeitrag Sexualität und Partner*innenschaft

Link: Erfahrungsbericht von einer schwer behinderten Frau zu ihrem Sexleben

Pränatale Diagnostik

Seit 2012 ist es in der Schweiz zugelassen, dass schwangere einen vorgeburtlichen Test machen können, um Trisomie 21 bei einem Embryo zu sichten. Die zentrale Ethikkommission hat dazu Empfehlungen abgegeben. Wichtig ist, dass Eltern genug Zeit, Ruhe und Informationen erhalten um eine Entscheidung zu treffen.

Link: Zentrale Ethikkommission zum Einsatz von pränataler Diagnostik

Verhütung

Dürfen Frauen mit Behinderungen selbst über ihre Verhütung entscheiden? Und unter welchen Umständen dürfen Sterilisationen durchgeführt werden? In diesem Beitrag aus Deutschland sind die wichtigsten Antworten zu finden, die in den allermeisten Punkten auch für die Schweiz gelten.

Link: Verhütung bei Frauen mit gesetzlicher Betreuung

Pionier-Studie 1996

Die Behindertenrechtlerin, Psychologin und Forscherin Aiha Zemp ist am 14. Dezember 2011 nach langer schwerer Krankheit im Alter von 58 Jahren gestorben. Gemeinsam mit Erika Pircher realisierte sie 1996 das weltweit erste problem- und handlungsorientierte Forschungsprojekt über sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderung. Diese Pionierinnenarbeit machte sie weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Der Kampf für Selbstbestimmung, gegen Ignoranz und Tabuisierung, der Schutz vor sexualisierter Gewalt jeder Art und das Recht auf physische und psychische Integrität waren ihre zentralen Themen. Auf ihre Initiative entstand in Basel die Fachstelle fabs – Behinderung uns Sexualität, die sie mit grossem Engagement und Fachwissen leitete, bis die Stelle 2010 an eine andere Trägerschaft übergeben wurde.

Link: Pionier-Forschung 1996 sexuelle Gewalt an Frauen und Mädchen mit Behinderungen

Link: Interview mit Aiha Zemp

Fachstellen und Hilfe bei sexualisierter Gewalt

Für Institutionen bieten Limita Konzeptarbeit und Weiterbildungen an zur Prävention von sexueller Gewalt.

Link: www.limita.ch

Haben Sie sexuelle Gewalt erfahren und brauchen Hilfe? Wenden Sie sich an die kantonalen Opferberatungsstellen.

Link: opferhilfe-schweiz.ch

Für Beratungen zu Sexualität und Behinderung wenden Sie sich an die regionalen Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstellen oder an die kantonalen Aids-Hilfe-Stellen.

Präimplantations- Diagnostik und selbstbestimmte Reproduktion

Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) geht es um die genetische Untersuchung von befruchteten Eizellen im Labor. Dabei vertritt avanti donne die Position dass sowohl ein Verbot wie eine Durchführung jeweils ethisch begründet werden muss. Seit 2017 ist es in der Schweiz möglich PID durchzuführen im Fallen von schweren vererbbaren Erkrankungen - jedoch sind die Bedingungen dafür streng geregelt.

Noch ist heute unklar ob Frauen mit   Behinderungen, die sich ein Kind wünschen und selber seit Jahren mit einer schweren Erbkrankheit leben, tatsächlich selber entscheiden können, ob sie die heute verfügbaren medizinischen Möglichkeiten nutzten wollen oder nicht. Generell stellt sich die Frage was Anderen überhaupt das Recht gibt, Frauen mit Behinderungen bei Fragen der Mutterschaft, die Selbstbestimmung zu verunmöglichen.

Link: Swissmedical Forum zur Umsetzung von PID seit 2017

Link: Stellungsnahme von avanti donne zur Abstimmung über PID 2015

Link: Warum Betroffene selber entscheiden können sollen - Fabienne Weiss, 2015

Link: Ich will meinem Kind dieses Gen nicht zumuten - Melanie R.

Link: Familien-Erfahungsbericht über eine PID Behandlung - DE

Link: 100'000 Franken für ein Baby

Schwangerschaft bei Para-/Tetraplegie

In unserer Gesellschaft ist Mutterglück und körperliche Behinderung ein Tabuthema; im Curriculum der Hebammenausbildung findet es keinen Platz. Zwar wird viel über das behinderte Kind diskutiert, über eine Behinderung der Mutter jedoch kein Wort verloren. Auch existiert kaum Literatur über die Hebammentätigkeit im Zusammenhang mit Tetra- oder Paraplegikerinnen. Ihre Ängste, Bedürfnisse und Anregungen an die Hebammen bleiben unbekannt. Die Diplomarbeit zweier Hebammen zum Thema ist daher ein kleines Pionierwerk.

 

Link: Diplomarbeit Schwangerschaft trotz Körperberhinderung

Mütter mit Behinderungen

Noch immer existieren in unserer Gesellschaft sehr klare, festgefahrene Vorstellungen von behinderten Menschen und auf der anderen Seite strenge Erwartungen an Eltern, vor allem an Mütter. Diese Vorstellungen sind so gegensätzlich, dass sie sich gegenseitig fast ausschliessen.

Link: Mutterschaft behinderter Frauen - ein Bruch mit der gesellschaftlichen Rollenzuschreibung

Link: Sorglos-Lösung für Mutterschaft mit Querschnittlähmung

Link: Diskussion um Sorgerechtsfall