Corona – was Menschen mit Behinderung jetzt tun sollten


Bloggerin: Frau Frogg                   

(Info-Links zum Thema siehe unten)



Freitag, 13. März 2020: Der Bundesrat schliesst alle Schulen und verbietet Veranstaltungen ab 100 Personen. Krass. Aber wer die rasend schnelle Ausbreitung des Virus verfolgt hat, kann nicht völlig überrascht sein. Behördenleute betonen immer wieder, dass man mit diesen Massnahmen auch besonders gefährdete Menschen vor einer Ansteckung schützen wolle, alte Menschen und solche mit Behinderungen – ein nationaler, ja, globaler Akt der Solidarität. Das ist gut, danke. Dennoch stellt die Situation uns Menschen mit Einschränkungen vor jede Menge neue Herausforderungen.

Angenommen, ich lebe mit Assistenz: Was passiert, wenn eine meiner Assistenzpersonen Covid-19 hat oder Grippe-Symptome? @Rollifräulein tweetet zu diesem Thema: «Dann komme ich ja auch nicht mehr in Heime rein, wegen Quarantäne und so.» Haben die Leute bei den Behörden schon über ein solches Problem nachgedacht? 
Und: Wie und wo können Menschen mit Assistenzbedarf und alle anderen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, sich falls nötig eigentlich testen lassen? 
Was machen erwerbstätige Mütter/Väter von Kindern und Jugendlichen mit schweren Behinderungen, wenn die heilpädagogischen Schulen geschlossen sind?

Eine gute Freundin von mir grübelt über ganz etwas anderes: Sie hat keine Schilddrüse mehr. Sie braucht Hormone. Diese werden in China hergestellt. Wurden. Denn in China sind Fabriken geschlossen und Transportketten – auch per Flugzeug – unterbrochen. Was, wenn ihr die Medikamente ausgehen?

Eine andere Freundin von mir (86) bekommt keinen Besuch mehr, weil alle sie schützen wollen. Sie zu schützen ist an sich richtig, aber sie ist nun völlig isoliert und fühlt sich einsam.

Mir persönlich gibt im Moment die Sache mit den Vorerkrankungen am meisten zu denken. Menschen mit Vorerkrankungen sollen sich besonders gut schützen, sagt der Bundesrat. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat dafür Regeln aufgestellt,  nachzulesen hier. Es gibt dort auch eine genaue Liste der Gesundheitsprobleme, die als Vorerkrankungen gelten.
Naja, relativ genau. Ich habe eine Menière-Erkrankung, eine seltene, schlecht erforschte Sache im Innenohr. Nicht auf der Liste. Ich persönlich behandle sie als Vorerkrankung. Ich weiss, was eine Grippe mit meinem Gleichgewichtssinn anstellen kann. 

«Keep calm and carry on», habe ich lange Zeit gedacht. Hände waschen, social distancing und sonst so tun, als wäre alles wie üblich. Ich ignorierte das Problem, und in vielen Lebenslagen ist das eine vernünftige Strategie. Jetzt nicht mehr. Was soll ich tun? Soll ich meinem Ohrenarzt die Bude einrennen? Schwierig. Ich habe gerade einen Schub und kann auch mit zwei Hilfsmitteln kaum noch telefonieren. Und einfach in eine Arztpraxis hineinmarschieren darf man ja auch nicht mehr. Aber ich werde einen Weg finden müssen. Ich muss wissen, was passiert, wenn ich ins Spital muss. Erfahrungsgemäss sind die Ärzte dort schon im Normalfall schlechte Zuhörer. Ich muss wissen, was ich laut und deutlich sagen muss, wenn ich krank bin und die alle so richtig im Stress sind.

Vielleicht ist das der richtige Weg: Alle wichtigen Fragen jetzt überlegen und sie jetzt stellen. Wenn möglich am richtigen Ort. Wenn möglich die richtigen Fragen. Jetzt schon, weil es wahrscheinlich jeden Tag schwieriger wird.

Und noch etwas: Freunde sind in solchen Zeiten enorm wichtig. Ich schreibe jetzt meiner Freundin (86) eine E-Mail. 


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Nützliche Links

Auf der Webseite des Bundesamtes für Gesundheit BAG gibt es aktuelle Informationen zum Coronavirus/COVID-19 in leichter Sprache und in Gebärdensprache:
Leichte Sprache 

Gebärdensprache (DSGS, LSF, LSI, IS), ab Dienstag, 17. März

Blog-Beitrag von Marlies Hübner zum Thema:
– Tipps & Tricks, um als Autist*in durch die Krise zu kommen

Infoseite MS-Gesellschaft:
– Empfehlungen bei Multipler Sklerose

Infoseite CF-Gesellschaft (Mukoviszidose):
– Empfehlungen bei Cystischer Fibrose 


Arbeitsrecht:
Was Angestellte wissen sollten



 
15. März 2020 Selbst erlebt 0
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