Maximal einsam

Bloggerin: Ima 
 

Bei Covid-19 stehen die Carer im Zentrum. Sie sind die Heldinnen und Helden, die ihr Bestes geben, oft unter sehr schwierigsten Bedingungen. Es ist gut, dass uns wieder mal bewusst wird, was diese Frauen und Männer in ihrem Beruf leisten. Und wie abhängig wir von ihrem fachlichen Können sind. Und von ihren menschlichen Qualitäten. 

Corona bringt aber noch viele weitere Themen an die Oberfläche, die in der Gesellschaft bis jetzt überhaupt nicht wahrgenommen wurden. Etwa die Bedeutung einer genauen und stressfreien Kommunikation im Spital. Masken erschweren die Verständigung immer. Und für stark hörbehinderte und gehörlose Patienten ist Verstehen praktisch unmöglich, wenn sie das Gesicht, die Mimik, die Lippenbewegungen nicht sehen können.

Dabei ist die Verständigung mit anderen Menschen nie wichtiger, als bei Gefahr oder wenn es einem mies geht. Im Aufwachraum (selbst erlebt), auf der Intensivstation (erlebt als Angehörige) ist eine verständliche Kommunikation mit den Ärzten und Pflegekräften oft das einzige Mittel gegen die Angst. Bei Patienten in kritischem Zustand müssen mitunter Entscheidungen getroffen werden, bei denen richtiges Verstehen sogar lebenswichtig ist. 

barriereMask.jpg
Schutzkleidung macht eine «menschliche» Kommunikation in Spitälern fast unmöglich.

Klar ist aber auch, dass bei Krankheiten wie Covid-19 der Schutz vor Ansteckungen oberste Priorität hat. Hörbehinderte und hörsehbehinderte Covid-Patienten auf den Intensivstationen in der ganzen Welt erleben daher wohl gerade die maximale Einsamkeit. Und auch alle andern mit irgendeiner ansteckenden Krankheit, die während Wochen kein Lächeln in echt sehen.  

Besonders furchterregend sind verhüllte Ärzte, Pflegende und Besucher für Kinder oder desorientierte Patienten, und das in einer Situation, in der sie sowieso schon verängstigt sind. Eine maskierte Gestalt, die einem eine Spritze gibt – einfach nur grauenvoll. 

Zu hoffen ist daher, dass bald eine transparente Maske auf den Markt kommt, die den Anforderungen des Gesundheitssektors genügt. Die selbstgebastelten Masken mit Plastikvisier, die im Internet die Runde machen, tun das nämlich nicht.

Ein Masken-Projekt der EMPA (Materialprüfungsanstalt) und der ETH Lausanne dagegen könnte ein echter Meilenstein sein. Auf dem Werbebild sieht das Ding so aus:

Masque-EPFL.png
Die Hello Mask besteht aus extrem feinen Membranen, die in beide Richtungen schützen.  

Diese Masken sind nahezu transparent. Möglich wird dies durch extrem feine Membranen mit einer Porengrösse von etwa 100 Nanometern. Offenbar eine schwierige Sache, denn das Projekt läuft schon einige Jahre, die Masken sind aber noch nicht auf dem Markt. Dabei würden sie dringend gebraucht. Und das nicht nur wegen Covid-19:

Durch erkannbare Gesichter würde die Kommunikation im Spital menschlicher. Dies ist nicht nur ein «Nice-to-have», sondern in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn: Eine erfolgreiche Verständigung schafft Vertrauen, spart Zeit und reduziert die Angst. Eine vertrauensvolle, stressarme Beziehung zu den Behandelnden und Pflegenden kann den Allgemeinzustand von Patienten signifikant positiv beeinflussen und die Genesung beschleunigen. Gleichzeitig werden auch Carer und Besucher entlastet.   

Und was für die Spitäler gilt, gilt auch für viele andere Bereiche, wo Begegnungen wichtig sind, aktuell gerade in den Einrichtungen für alte und behinderte Menschen, wo immer noch rigide Schutzregeln gelten. 


Mehr zum Thema im neuen netzbrief Frau, Behinderung & Gesellschaft
 –>  netzbrief lesen


Infos über Hello Mask:
https://www.empa.ch/web/s604/hello-mask-hmcare 



 
 
31. Mai 2020 Selbst erlebt 1
Kommentar
Jonni Kern
Danke für die nützlichen Tipps, liebe Frauen, und bitte weiter so.
Ihr seid da vorbildlich. Andere jammern und klagen immer nur.
29.07.2020 14:29:56

 
 
 
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