Gefährliche Missverständnisse


Bloggerin: Frau Frogg 


Auch nach der Lockerung wird in bestimmten Situationen weiterhin das Tragen Schutzmasken empfohlen. Bei der Pflege zum Beispiel lassen sich Abstandsregeln nicht einhalten, Masken schützen also Bewohner und Patientinnen.

Für hörbehinderte Menschen ist und bleibt die Kommunikation mit Maskenträgerinnen unabhängig vom Grund eine besondere Herausforderung. Und hörbehinderte Menschen (schwerhörige, gehörlose, hörsehbehinderte...) gibt es viele: Laut dem Verband Sonos über 600'000. Davon benutzen 240'000 Hörgeräte. Etwa 10'000 sind gehörlos und verständigen sich überwiegend mit Gebärdensprache.  

In der Pflege, in der Arztpraxis und ganz besonders im Spital kann es besonders wichtig sein, genau zu verstehen, was eine Ärztin oder eine Pflegeperson sagt. Denn wenn es um Medikamente, Zustimmung oder Ablehnung einer medizinischen Massnahme oder Fragen zum Befinden geht, können Missverständnisse gefährlich sein.

Hörbehinderte Menschen sind es zwar gewohnt, dass sie von einer Aussage oft nur Bruchstücke verstehen. Sie sind clever darin, sich aus diesen Fetzen zusammenzureimen, was man ihnen sagt. Sie lesen von den Lippen. Sie interpretieren Gesichtsausdrücke. Sie erschliessen Kontextwissen.

Dumm ist nur: Wenn die Ärztin oder die Pflegeperson eine Maske trägt, sieht man vom Gesicht gerade noch die Augenpartie. Man sieht dann, wenn sie staunt. Oder sich anstrengt. Oder gestresst ist oder ungeduldig. Mehr nicht. Was tun? 

Eine Möglichkeit sind Masken mit Sichtfenster. In den USA lief dafür ein Crowdfunding dazu (siehe hier).

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Verstehen – auch mit Maske.  (Bild: gofundme)
 
 
Dabei gibt es diese Masken auch in Industrieproduktion – hergestellt werden sie allerdings in den USA. Die Schweiz hat zwar inzwischen ihre Maskenvorräte aufgefüllt. Ob jemand an die Bedürfnisse von schwerhörigen Personen gedacht hat, darf allerdings bezweifelt werden.  

Für alle, die mit dem Vollverhüllungs-Modell klarkommen müssen, hier einige Tipps, wie die Verständigung vielleicht doch gelingen kann:

Tipps für Masken-TrägerInnen:

  • Machen Sie kurze Sätze; konzentrieren Sie sich aufs Wesentliche. Plaudern ist für bessere Zeiten.
  • Viele Dinge kann man zeigen: das Medikament, über das man spricht; die Haarbürste in der Pflege; die richtige Richtung zum Ausgang.
  • Wenn dann immer noch nichts geht: Sagen Sie den Satz nochmals, aber stellen Sie ihn um. Sagen Sie das Wichtigste zuerst.
  • Wichtig ist: Sprechen Sie deutlich und langsam – auch in hektischen Situationen.
  • Schreiben Sie kurze Informationen oder die wichtigsten Stichworte auf einen Notizblock oder aufs Handy.
  • Noch einfacher: Nutzen Sie eine App, die gesprochene Sprache in Text umwandelt (Speech-to-Text-Software). Voraussetzung ist auch hier, dass Sie deutlich sprechen, denn die Maske verzerrt Ihre Sprache. In diesem Artikel werden vier kostenlose Apps vorgestellt: Artikel lesen
  • Bleiben Sie geduldig oder verbergen Sie Ihre Ungeduld. Denken Sie dran: Das Gegenüber macht es nicht extra. Niemand kann etwas für seine Hörbehinderung.

  Tipps für Betroffene: 

  • Sagen Sie, dass Sie nicht gut hören – sofort und wenn nötig immer wieder.
  • Wenn Sie nur einzelne Wörter verstanden haben: Fragen Sie nach. Aber bauen Sie Informationen, die Sie bereits verstanden haben, gleich in die Frage ein. Beispiel: Der Arzt zeigt eine Salbe und sagt etwas von «einreiben». Patientin fragt zurück: «Wie oft soll ich die Salbe einreiben?».
  • Haben Sie immer etwas zum Schreiben bei sich (Post-it-Blöckli oder Ritschratsch-Tafel...). Bitten Sie Ihr Gegenüber, das Gesagte oder die wichtigsten Stichworte aufzuschreiben. Oder noch einfacher:
  • Laden Sie eine App auf Ihr Handy oder Tablet, die gesprochenen Text automatisch in geschriebene Sprache umwandelt (Speech-to-Text-Software). In diesem Artikel werden vier kostenlose Apps vorgestellt: Artikel lesen.  Lassen Sie sich wenn nötig helfen beim Installieren und Ausprobieren.
  • Bei wichtigen Gesprächen (Arzt, Pflege, Spitex, Ämter...): Wiederholen Sie, was Sie verstanden haben und lassen Sie sich vom Gegenüber bestätigen, dass Sie alles richtig verstanden haben.
  • Nicht aufgeben. Sie haben ein Recht zu verstehen, was das Gegenüber zu Ihnen sagt.  
  • Geduldig bleiben, lächeln. Dran denken: Die andere Person meint es grundsätzlich gut.

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Wichtiges aufschreiben!

Wenn es funktioniert, kann es sogar lustig sein. Ein gemeinsam gewonnener Kampf gegen die Widrigkeiten der Umstände. Ein Tänzchen mit Haarbürste und Ritschratschtafel.

 

 
 
 
 
03. April 2020 Selbst erlebt 0
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