Zeit zum Handeln

Blogpost: avanti donne 

Der Beitritt der Schweiz zur UNO-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) hat bei den Behinderten-Organisationen viel Euphorie ausgelöst. Wir, die Frauen von avanti donne & girls, freuen uns mit und sind gespannt, was uns die hochgelobte Konvention bringen wird. Für uns Frauen und Mädchen hat die Konvention nämlich eine ganz besondere Bedeutung. Darin wird endlich auf staatlicher Ebene anerkannt, dass Frauen und Mädchen bzw. Männer und Jungen mit Behinderung in der Gesellschaft unterschiedliche Voraussetzungen vorfinden und Erstere auch heute noch mehrfache Diskriminierung erfahren. Das steht ganz vorne im Artikel 6 der Konvention:
  1. Die Vertragsstaaten anerkennen, dass Frauen und Mädchen mit Behinderungen mehrfacher Diskrimnierung ausgesetzt sind, und ergreifen in dieser Hinsicht Massnahmen, um zu gewährleisten, dass sie alle Menschenrechte und Grundfreiheiten voll und gleichbereichtigt geniessen könnnen.
  2. Die Vertragsstaaaten treffen alle geeigneten Massnahmen zur Sicherung der vollen Entfaltung, der Förderung und der Stärkung der Autonmie der Frauen, um zu garantieren, dass sie die in diesem Übereinkommen genannten Menschenrechte und Grundfreiheiten ausüben und geniessen können.

Vielleicht wirs ja verschlafen, aber unseres Wissens fand bis heute keine andere Behinderten-Organisation in der Schweiz oder gar irgendeine Zeitung, die über die Konvention berichtete, diesen Artikel einer Erwähnung wert. Dabei spielt die Beteiligung behinderter Expertinnen in der Entstehungsgeschichte der Konvention eine Schlüsselrolle. Irgendwie von Interesse in der Schweiz? Nö. Aber wir sind nachsichtig und vorerst auch noch geduldig.

Vorerst ist die Konvention sowieso nicht mehr als ein Stück Papier. Und wenn alles läuft, wie es immer läuft, wird auch dieses Papier zunächst einmal viele weitere Papiere hervorbringen. Gut, einige davon braucht es sicher.
Aber allzu lange werden wir uns mit Papier  allein nicht begnügen. Denn was Artikel 6 verlangt, ist klipp und klar. Oder weiss vielleicht jemand nicht, was Massnahmen sind? Wo was konkret zu tun wäre, haben wir in unserem Frauengleichstellungs-Bericht dargestellt. Dafür haben wir zuvor mit vielen betroffenen Frauen in unterschiedlichen Situationen gesprochen und auch eine Umfrage gemacht. Der Handlungsbedarf ist also formuliert und muss nicht endlos wieder neu abgeklärt werden. Das, was die Konvention im Kern will, fordern Menschen mit Behinderung nämlich schon seit bald 40 Jahren: die gleichberechtigte volle Teilhabe in allen Bereichen des täglichen Lebens. Konkret: Volle Teilhabe an der Bildung, an der Kultur, am Erwerbsleben, am Wohlstand...

Neu an der Konvention ist nur das Vorgehen: Nicht wir Menschen mit Behinderung müssen uns anpassen, um partizipieren zu können, sondern Gesellschaft und Umwelt sind so zu organisieren und zu gestalten, dass alle teilnehmen können. Ob Mädchen oder Junge, Frau oder Mann, ob mit oder ohne Behinderung, ob mit heller oder dunkler Hautfarbe. Jede und jeder, der irgendwo Einfluss hat, kann hier etwas tun! Denn der «Staat», der hier zum Handeln aufgefordert ist, das sind auch seine Bürgerinnen und Bürger.
Gute Beispiele sind gefragt. Wer welche kennt, ist herzlich eingeladen, wie hier bekannt zu machen. Schreibt uns einfach ein Mail für den ersten Schritt.

Für Interessierte:
Link zum Dossier Gleichstellung von Frauen mit Behinderung

Download Dokument Die UN-BRK aus Frauensicht
05. September 2014 Politik 0
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