Ein gewisses Alter

Bloggerin: Frau Frogg

Die Bücher von Bascha Mika sind laut, oft überspitzt, gelegentlich polemisch. Das Buch «Mutprobe – Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden» bildet da keine Ausnahme. Der Befund: Frauen ab einem gewissen Alter sind nicht zu beneiden. Wobei Mika etwas unscharf ist bei der Definition des «gewissen Alters». Für manche Frauen beginne es gewissermassen schon mit 30, schreibt sie. Befasst sich dann aber weit gehend mit Themen, die die meisten von uns so ab 45 zu beschäftigen beginnen. Und falls es eine Frau in diesem Alter noch nicht grauen sollte vor dem, was ihr bevorsteht – sie sollte keinesfalls dieses Buch lesen. Denn hier ist alles aufgelistet, was uns jenseits der 50 droht: Männer, aber auch andere Frauen und insbesondere die Medien werden uns nicht mehr sehen; unsere Partner werden uns gegen eine Jüngere austauschen; man wird uns aus unseren Jobs drängen; wir werden verarmen, vereinsamen; wir werden zermalmt zwischen der Sorge um den Nachwuchs und jener um die noch älteren Eltern; wir bekommen Truthahnhälse;  man kann uns in Kühe (Frauen, die ohne zu klagen fett werden) und Ziegen (solche, die sich im Fitnesscenter martern) unterteilen. Frau Mika liefert mit dem Befund gleich noch das passende Vokabular mit. Wir können viel dazulernen für die verbale Abwertung von uns selbst.

Dabei will uns Frau Mika nicht abwerten – davon hätte sie nichts, die ehemalige Chefredakteurin der deutschen taz hat selber Jahrgang 1954. Mika stellt vielmehr fest, dass die Abwertung von älteren Frauen in unserer Gesellschaft System und Methode hat. Und sie erklärt schlüssig und mit Bezug auf die feministische Vordenkerin Simone de Beauvoir, warum das so ist: Weil die alternde Frau seit Menschengedenken Projektionsfläche ist für die Todesangst der Herren. Diese werden vor den Augen der Welt und sich selber nicht älter, sondern bestenfalls reifer und damit sexier. Dieses teuflische Spiel müsse ein Ende haben, schreibt Mika. Applaus, Frau Mika!

Allerdings bleibt sie leider sehr vage bei den Ideen, wie dies zu geschehen habe. «Jeder von uns weiss, wie lange es manchmal dauert, bis wissenschaftliche Erkenntnisse ins allgemeine Bewusstsein einsickern. Und noch länger dauert es, bis sich daraus eine andere Erzählung, neue kulturelle Bilder und eine veränderte soziale Praxis ergeben», redet sie sich heraus. Dann gibt sie ein paar Rezepte im Stil von: «Würden wir nicht alle profitieren, wenn von dieser Seite klargestellt wäre, wie systemrelevant Frauen in den mittleren Jahren für das soziale Zusammenleben sind?» Klar, es ist gut, wenn frau das selber weiss. Es macht einige von uns vielleicht etwas selbstbewusster. Aber mir hat das nicht gereicht.

Kommt noch dazu: Als Frau mit einer chronischen Krankheit hatte ich gelegentlich den Eindruck, hier würden die Luxusproblemchen gesunder Mittelstandsfrauen grossgeredet. Aber ich diskutiere gern mit Euch weiter darüber: Am 27./28. Setpember in Nottwil, am Weekend von avantidonne. Hier gehts zur Anmeldung:

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21. September 2014 Frau sein 0
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