Mit Hightech gegen Schwerhörigkeit


Bloggerin: Frau Frogg


Habe ich schon erzählt, dass ich gerne fernsehe? Es gibt dafür zwei Gründe. Erstens höre ich mittlerweile trotz zwei erstklassigen Hörgeräten die News am Radio nur noch mit Mühe. Ich sehe sie lieber auf der Flimmerkiste, wegen der Untertitel.

Zweitens liebe ich alte Spielfilme und kluge Doks. Zwei meiner Lieblingssender musste ich mir aber abschminken: arte und 3sat – sie foutieren sich (wie auch viele Privatsender) weitgehend um die Anliegen von Hörbehinderten und haben meistens keine Untertitel. Und gerade bei Spielfilmen kann ich ohne Untertitel den Dialogen beim besten Willen nicht mehr folgen.

Darum kaufte ich mir einem Streamer. Das ist ein Gerät, mit dem man den Ton vom Fernseher direkt aufs Hörgerät leiten kann – ohne, dass er unterwegs in Nebengeräuschen untergeht oder sich irgendwo im Nirwana verliert. Die Dinger kosten über 400 Franken, aber das waren meine Filme mir wert.

Streamer


Ausserdem könne ich mir mit dem Streamer  den Ton vom Handy per Bluetooth direkt auf mein Hörgerät leiten, sagte die Hörgeräte-Akustikerin.

Am Anfang war alles ganz grossartig. Glücklich zog ich ein paar alte Schwarten auf arte rein. Mittlerweile schaue ich sogar die Schweizer Tagesschau mit dem Streamer, obwohl sie Untertitel hat. Einem Hörenden kann man ja schwer erklären, warum man die Stimme von Katja Stauber oder Franz Fischlin unbedingt nahe am Ohr haben will. Aber, ehrlich, das ist Lebensqualität. Auch dann, wenn sie schlechte Nachrichten verkünden. Es ist halt einfach so. Zudem begann ich, mit den Streamer auf dem Handy zu telefonieren. Das ging tatsächlich besser als auf dem Festnetz.

Alles ganz prima – bis ich eine gesalzene Telefonrechnung bekam. Ich hatte mein monatliches im Handy-Abo enthaltenes Telefon-Guthaben bös überzogen. Jetzt telefoniere ich meistens wieder per Fixnet. Ausser, wenn’s drauf ankommt, dass ich wirklich alles verstehe.

Dann, eines Abends bei einer beschaulichen Verfilmung eines Jane Austen-Romans, stellte ich fest: Mein Gehör muss sich wieder verschlechtert haben. Ich verstand die Dialoge auch mit dem Streamer nicht mehr. Ich musste also weiter aufrüsten. Mir fiel ein, dass es auf dem Internet zu den meisten Spielfilmen Inhaltsangaben gibt. Seither kann man mich abends mit Streamer und Handy vor dem Fernseher sitzen sehen. Ich geniesse die Bilder auf dem Schirm und die Stimmen direkt an meinem Ohr – und scrolle mich mit dem Finger durch Informationen über die Handlung. Multi-Tasking nennt sich das, zu Deutsch «Mehrfachaufgabenperformanz». Passt.
 
 
 

17. Januar 2018 Selbst erlebt 0
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